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Tokei-Ihto
22:30

Woher kommt „Neusprech“ eigentlich? Der Ursprung dieses Begriffes liegt in George Orwells dystopischen Roman „1984“, der 1949 erschienen ist. Das Buch beschreibt den perfekten totalitären Staat: Es herrscht Vollüberwachung, überall hängen Kameras, Privatsphäre und politische Freiräume werden in keinerlei Weise geduldet. Die Menschen werden mit Propaganda und Lügen zugeschüttet, jegliche Subversion gegen den Staat wird brutal erstickt, Kinder denunzieren ihre Eltern. Doch all das reicht der Partei rund um den „Großen Bruder“ nicht aus: Sie möchte auch den letzten Rückzugsort für Kritik und Subversion kontrollieren, der den Menschen noch bleibt – ihre Gedanken.

Dafür erschuf Orwell in „1984“ eine der unheimlichsten Erfindungen der Literaturgeschichte: Neusprech (im Original „Newspeak“). Die Partei des totalitären Staates plant, das normale Englisch durch eine extrem simplifizierte Sprache zu ersetzen, welche der geltenden Ideologie „Engsoz“ (englischer Sozialismus) nicht widersprechen kann. Viele „Altsprech“-Begriffe werden dazu entweder komplett gestrichen oder durch lediglich einen ersetzt. Beispielsweise werden „wunderbar“, „großartig“, „toll“, usw. zu „gut“ rationalisiert, welches noch zu „plusgut“ oder „doppelplusgut“ gesteigert werden kann. Für „schlecht“, „böse“ „unangenehm“, „widerlich“ usw. gibt es ebenfalls nur noch ein Wort: „Ungut“ (auch hier kann mit „plusungut“ usw. gesteigert werden). Andere Worte wie „Ehre“, „Moral“ oder „Wissenschaft“ existieren in Neusprech nicht mehr – sie werden unter „Engsoz“ subsumiert. Ein Satz in Neusprech kann zum Beispiel lauten: „Altdenker unbauchfühl Engsoz.“ Eine mögliche Übersetzung wäre: „Diejenigen, deren Ideen vor der Revolution geformt wurden, können die Prinzipien des englischen Sozialismus gefühlsmäßig nicht voll erfassen.“ (S. 376, George Orwell, 1984, Heyne 2002).

Das Ziel dieser Sprachvernichtung ist monströs: Neusprech ist so konzipiert, dass jegliche „Gedankenverbrechen“, also kritische Gedanken gegen den Staat, von vornherein ausgeschlossen sind. Man ist nicht mehr in der Lage, gegen die Herrschenden aufzubegehren, weil man sich dies gar nicht vorstellen kann. Für alle Mängel und Repressionen gibt es einfach keine Namen mehr, ebenso wenig wie für Konzepte von Demokratie oder Gerechtigkeit.

Neusprech – Wie man ohne Argumente überzeugt | Elfenbeinbungalow
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